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 Dirk Petzold, Diplombiologe

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Verhaltensökologie der Australischen Schwimmratte
Eco-ethology of the Australian Water Rat

Schwimmratten
Doktorarbeit
Abstammung
Systematik
Verbreitung
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Morphologie
Feldstudie
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Abstammung und Herkunft der Schwimmratten

Unter den über 50 Arten in Australien vorkommender Nagetiere nehmen die Schwimmratten eine herausgehobene Stellung ein. Sie sind nicht nur die größten und die einzigen semiaquatischen Nagetiere der Region, sondern weisen auch zahlreiche morphologische und anatomische Besonderheiten auf.

Die taxonomische Stellung der Schwimmratten-Verwandten, ihre Phylogenese und geografischer Ursprung können wertvolle Hinweise auf die Entstehung ihrer semiaquatischen Lebensweise, der Anpassungen in Körperbau und Phyliologie und damit letztlich auch auf Futtersuch- und Tauchverhalten geben. Bis vor wenigen Jahren war sowohl über die Stammungsgeschichte wie auch über Vorkommen und Ökologie der nächstverwandten Arten so gut wie nichts bekannt und ihre Einordnung in das taxonomische System nicht abschließend geklärt.

Die Unterfamilie Schwimmrattenverwandte schien lange Zeit unter den Mäusen gut abgrenzbar zu sein und damit auch getrennt von den meisten übrigen australischen Nagetieren der Gattung Rattus und der endemischen Gattung Pseudomys. In Watts & Aslin (1981), Eisenberg (1981) und anderen neueren Arbeiten zeigte sich, daß sämtliche australischen Endemiten (mit Ausnahme einiger Rattus-Arten) und viele Arten Neuguineas aufgrund molekularbiologischer Untersuchungen künftig in der Unterfamilie Hydromyinae zu finden sind. Doch auch aus diesen Arbeiten ergibt sich, daß die somit erweiterten Hydromyinae monophyletisch sind (Flannery 1995) und sich vor etwa 20 bis 25 Mill. Jahren von den übrigen Vertretern der Langschwanzmäuse abgespalten haben (Archer & Clayton 1984).

Watts & Baverstock (1994) ordneten die Nagetiere Neuguineas verwandtschaftlich anhand von Isozym-Elektrophorese-Untersuchungen und sicherten die Monophylie der Hydromyinae ab. Danach ist die Unterfamilie der Hydromyinae die Schwestergruppe der Murinae.

Tribus Hydromyini

Die Aufspaltung innerhalb der Hydromyinae geschah vor etwa 15 bis 20 Mill. Jahren (Archer & Clayton 1984). Zunächst spalteten sich nach Auffassung von Watts & Baverstock (1994) die Anisomyini ab, eine uneinheitliche Gruppe rattenähnlicher Gattungen aus Neuguinea. Der verbleibende Tribus gliedert sich nach Watts & Baverstock (1994) in drei Gruppen, Hydromyini, Uromyini und Conilurini.  (Abb. 2).

Die Conilurini umfassen die “klassischen” australischen Nagetiere wie Känguruhmäusn (Notomys) und Australmäuse (Pseudomys). Die Uromyini bestehen hauptsächlich aus den Mosaikschwanzmäusen und Mosaikschwanz-Riesenratten. Während diese beiden Gruppen sich herbivor ernähren, lebt die Gattungsgruppe Hydromyini weitgehend insectivor und carnivor (Flannery 1995). Ihr Ursprung liegt vermutlich in den Bergregionen Neuguineas.

Innerhalb der Gattungsgruppe Hydromyini zeichnen sich nach molekularbiologischen Untersuchungen (s. Watts & Baverstock 1994) erneut drei Gruppen um Hydromys, Crossomys und Pseudohydromys ab.

Gattungsgruppe Schwimmratten (Hydromyini)

Die Hydromyini bestehen aus zehn Gattungen mit wahrscheinlich 13 Arten (Dieterlen 1970, 1988, Flannery 1995). Xeromys, die Falsche Schwimmratte, ist in Australien endemisch, acht weitere Genera kommen ausschließlich auf Neuguinea vor. Lediglich Hydromys tritt in beiden Gebieten auf.

Die vom Habitus und der Lebensweise gut abgrenzbaren Arten um Pseudohydromys, auch als “shrew-mice” bezeichnet, sind terrestrische, spitzmausähnliche Tiere aus den Regenwäldern Neuguineas. Etwas lockerer verbunden ist die Artengruppe um die Falsche Schwimmratte Xeromys. Zu den vier Arten der Echten Schwimmratten Hydromys gesellt sich die ebenfalls recht große Parahydromys.

Nur in vier Gattungen der Hydromyini gibt es an das Wasser angepaßte Arten: Bei Hydromys, Parahydromys und Crossomys finden sich verschiedene Abstufungen morphologischer Anpassungen, eingeschränkt auch bei Xeromys. Daraus läßt sich schließen, daß der Übergang zum semiaquatischen Leben höchstwahrscheinlich innerhalb der Hydromyini zumindest zweifach unabhängig erfolgte. Neuguinea mit regenreichem Klima und zahlreichen, permanenten Flüssen und Strömen bot für diese Entwicklung günstige Voraussetzungen (Watts & Aslin 1981). Allen semiaquatischen Arten jedoch sind einige morphologische Merkmale gemeinsam: verhältnismäßig schwere Schädel mit deutlicher und verbreiterte Nagezähne (Ellermann 1940). Zudem erreichen sie die größten Körpermaße innerhalb der Hydromyini; nach Krummbiegel (1953) ein typisches Merkmal semiaquatischer (Waterhousesche Regel).

Die Arten der Gattung Hydromys

Neben der Australischen Schwimmratte sind vier weitere Arten der Gattung Hydromys beschrieben, die Endemiten Neuguineas und der Salomonen sind.

Hydromys habbema, die Gebirgs-Schwimmratte, ist ausschließlich vom Habbema-See in Irian Jaya, im Hochgebirge Zentral-Neuguineas, bekannt. Mit knapp 15 cm Kopf-Rumpf-Länge gehört sie zu den kleinen Arten (Flannery 1995).

Hydromys shawmayeri, Shaw Meyer‘s Schwimmratte, bewohnt die Hochländer ab 2000 m Höhe, wo sie vermutlich häufig an Flüssen vorkommt.

Hydromys hussoni, die Westliche Schwimmratte, ist die Kleinste der Gattung. Sie ist nur von zwei Fundorten im Westen Neuguineas bekannt.

Hydromys neobrittannicus lebt östlich auf den Inseln Neubrittanniens (Bismarck-Archipel) bis zu den Salomonen.

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Zuletzt aktualisiert Januar 2005