Verhaltensforschung Uni Bielefeld

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Verhaltensökologie der Australischen Schwimmratte
Eco-ethology of the Australian Water Rat

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Etho 1996
Der Zoofreund

Ein Nager, der was taucht

Artikel im "Zoofreund"
Zeitschrift des Förderbereins des Zoo Hannover
Frühjahr 1996

 An einem Bachlauf sitzt auf einer Wurzel ein otterähnliches Tier. Es hält die Schnauze dicht über die Wasseroberfläche, so daß nur die Spitzen der Schnurrhaare gerade eintauchen. Plötzlich schließt es Augen und Nasenlöcher und taucht ab. Mit kräftigen Schlägen der Hinterpfoten, an denen sich Schwimmhäute befinden, schwimmt es knapp über dem Bachgrund. Mit seitlichen Kopfbewegungen überstreicht das Tier den Boden mit den Schnurrhaaren. Berührt es Beute, schnappt es zu und taucht sogleich wieder zur Wurzel auf. Nur die weiße Schwanzspitze hängt noch ins Wasser. Ein kurzes Schütteln vertreibt das Wasser aus dem dichten, oberseits dunkelbraunen, bauchseits cremefarbenen Fell, dann wird die Beute, ein Krebs, verzehrt. Solche Futtertauchgänge, die nie länger als 30 s dauern, wiederholt es noch oft in der nächsten Stunde und bringt Fische, Muscheln, Schnecken, Insektenlarven und einmal auch einen Frosch mit.

 Diese faszinierende Futtersuche zu beobachten wäre eine besondere Attraktion für Zoobesucher. Tatsächlich kann man die Tiere freilebend in einigen Tierparks beobachten. Es handelt sich um die Australische Schwimmratte (Hydromys chrysogaster), ein fleischfressendes Nagetier von Kaninchengröße, das sich in Seen und Fließgewässern einen Lebensraum erobert hat, den in Australien kein Beuteltier bewohnt. Einst als Pelztier verfolgt, steht die Schwimmratte heute unter Schutz und kommt wieder recht häufig überall dort von Neuguinea bis Tasmanien vor, wo es genügend Wasser gibt. So auch in den Bächen des Healesville Sanctuary, des Außenzoos von Melbourne. An den Brücken sind Hinweisschilder angebracht, doch braucht man schon etwas Glück, um die Tiere zu sehen. 1946 richtete dort David Fleay (der Schnabeltierzüchter) ein spezielles "Hydromysarium" ein, die Krönung dieser Tradition ist eine eigene Abteilung für Schwimmratten im neuen Schnabeltierhaus. In diesem Nachttierhaus kann man eine Gruppe der Tiere in einer geräumigen, naturnahen Anlage beobachten und im reich strukturierten, verglasten Wasserbereich die Tiere beim Tauchen betrachten.

 Während Schwimmratten in Australischen Zoos nicht selten sind, werden sie sonst wohl nur noch in Deutschland gehalten: in den Nachttierhäusern der Zoos in Stuttgart und Frankfurt. Von dort kamen seit 1993 Tiere an die Verhaltensforschung der Universität Bielefeld, wo ich seitdem ihr Tauch- und Futtersuchverhalten untersuche. Bemerkenswert ist, daß sie sich unter Wasser ausschließlich durch Tasten mit den Schnurrhaaren orientieren. Sie variieren die Zeiteinteilung für die Futtersuche am Gewässergrund je nach Futterdichte und Wassertiefe, um den Energieaufwand für das Futter zu minimieren.

 Die Tiere sind nicht rein nachtaktiv, sondern bevorzugen die Dämmerung und orientieren sich in ihrer Aktivität hauptsächlich an den Fütterungszeiten. So ist ein Nachttierhaus keineswegs notwendig. Um das Tauchvermögen und die Futtersuche zeigen zu können, sollten sie in strukturreichen Gehegen mit einem großen, verglasten Wasserteil gehalten werden, in dem sie hin und wieder auch lebende Fische erbeuten können. Ideal wäre ein wassergefülltes Plexiglas-Rohrsystem, das auch über zwei Stockwerke reichen könnte, denn die Tiere überwinden problemlos viele Meter Wassertiefe und tauchen ja mit jedem Futterstück einzeln auf. Jungtiere, die ohne Wasserteil aufwachsen, scheinen das Tauchverhalten hingegen nur unvollkommen zu entwickeln. Die Tiere erweisen sich als weitgehend winterhart; in einigen Wochen wird die erste Gruppe in Bielefeld ein neues Freigehege mit großem Wasserteil beziehen. Leider sind Schwimmratten nur drei Jahre lang fortpflanzungsfähig, so daß ständig eine größere Zahl gehalten werden muß.

 Da diese Nager in Deutschland so selten gezeigt werden und u.a. durch Baumaßnahmen die Haltung in den Zoos eingeschränkt werden wird, könnte diese interessante Art bei uns bald ganz verschwunden sein, wenn sich keine weiteren Zoos finden, um zusätzliche Zuchtgruppen unterzubringen.


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